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Aus der Geschichte der Tuchmacher in Malchow

Kurzfassung Heft 10
erschienen: 2006

Autoren: Mitglieder des Arbeitskreises Stadtgeschichte Dieter Schmaglowski, Roland Kersting und Ingrid Kass

 

Grpße Präsentation des Heftes Nummer 10

Dieses Heft erschien im Dezember 2005. Das erste Exemplar wurde anlässlich des Neujahrgesprächs im Januar 2006 übergeben und am 1. Februar in der Werleburg einem großen Kreis Interessierter vorgestellt. Darunter waren viele frühere Mitarbeiter des Teppichwerkes und solche, die auch die Arbeit in der früheren Tuchfabrik noch erlebt hatten. In jahrelanger akribischer Kleinarbeit hatten die Mitglieder des Arbeitskreises Stadtgeschichte Dieter Schmaglowski, Roland Kersting und Ingrid Kass gemeinsam mit mir Unterlagen des Mecklenburgischen Landesarchivs, des Stadtarchivs, Veröffentlichungen der Presse und der Malchower Betriebe und eigene Aufzeichnungen gesichtet sowie frühere Mitarbeiter von Malchower Betrieben befragt und Material und Fotos aufbereitet. Während der Präsentation konnte im Rahmen einer Austellung anhand von Arbeitsmaterial und Dokumenten ein kleiner Einblick in die Arbeit vergangener Jahre gegeben werden.

 

Beginn der Malchower Tuchmacherei  im 15. Jahrhundert

Im Heft wurde eingangs dargestellt, dass es im 15. und 16. Jahrhundert in Mecklenburg viele Standorte der Tuchmacherei gab. In unmittelbarer Nähe von Malchow waren das Güstrow, Waren, Röbel, Plau und Krakow. Nur wenige davon sind erhalten geblieben. Nach einem Bericht von 1515 hatte Malchow schon eine der stärksten Zünfte der Tuchmacher im Lande nach Wismar, Rostock, Friedland und Parchim. Nach einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1618 gab es zu dieser Zeit allein in Malchow 48 Tuchmacher. Sie wohnten und arbeiteten nachweislich nach dem großen Stadtbrand von 1721 überwiegend in der Mühlenstraße und damit in Wassernähe. Ihre Zusammenarbeit wurde durch das Tuchmacheramt und die Amtsrolle geregelt. Die Amtsrolle wurde jeweils von der herzoglichen Kammer erlassen. Die von den Malchower Tuchmachern hergestellten Waren waren entsprechend der von der Großherzoglichen Landesregierung erlassenen Schauordnung mit dem alten Zeichen des Kleeblattes zu kennzeichnen.

 

Walkmühlen als erste maschinenähnliche Anlagen der Tuchmacher

Walkmühlen waren die ersten maschinenähnlichen Anlagen der Tuchmacher. Hier wurde die gewebte Rohware je nach Bedarf durch Stoßen, Drücken und Reiben in schwach alkalischer Flüssigkeit verdichtet. Die erste bekannte Walkmühle der Malchower Tuchmacher befand sich im Stadtwald an der Grenze zu Grüssow und wurde vom Wasser des Klostermühlbaches angetrieben. Die nächste wurde in der Mühlenstraße errichtet, aber mit einem Göpelwerk angetrieben. Erste Spinnmaschinen für die Malchower Tuchmacher baute der Malchower Mechaniker Zerrahn. Doch deren Funktion entsprach noch nicht den Anforderungen. Deshalb wurde auch die Spinnerei im Land-Arbeits-Haus im Güstrower Schloss von 30 Malchower Tuchmachern genutzt. Durch die nun möglichen Maschinengarne stieg die Zahl der Tuchmacher zu dieser Zeit von 80 auf 110.

 

Fortschritt und Rückschläge in der Tuchmacherei

Die erste Wollwäsche in Malchow gab es 1827 und zwischen 1828 und 1831 errichteten der Tischlermeister Johann Hallwachs und sein Bruder eine kleine Anlage mit vier Sortimenten Kratz- und Streichmaschinen (entspricht funktionsmäßig unseren späteren Krempelsortimenten) und einem Reißwolf. Das erste größere Unternehmen war die Maschinen-Lohnanstalt des Tischlermeisters Hallwachs in der Mühlenstraße an dem Standort, auf dem ein aufwendig saniertes Fabrikgebäude heute für Wohnzwecke genutzt wird. Die Entstehung der Maschinenlohnanstalt, der Verkauf an die Stadt Malchow, der Übergang zur Werkgenossenschaft und schließlich der Verkauf an den Tuchfabrikanten Gottfried Blanck in den Dreißigerjahren aus der Konkursmasse sind im Heft ausführlich dargestellt.
Dass ausgerechnet ein Tischlermeister und nicht ein Tuchmacher am Anfang der industriellen Fertigung von Tuchen in Malchow stand, ist Ausdruck dafür, dass es den Tuchmachern wirtschaftlich nicht besonders gut ging. Trotz der Mechanisierung der Arbeitsvorgänge durch das Vorhandensein der Maschinen-Lohnanstalt reichte die Kapazität schon bald nicht mehr aus und 17 Tuchmachermeister errichteten 1866 am Ende der Mühlenstraße die so genannte Privatspinnerei. Diese brannte schon 1887 ab, wurde aber sehr schnell größer als zuvor wieder aufgebaut. Sowohl die Namen der Gründer als auch die Namen der Mitglieder der Genossenschaft zur Zeit der Umbildung in eine e.G.m.b.H. sind im Heft genannt. Im Jahre 1912 brannte die Fabrik zum zweiten Mal ab.

 

Die Tuchmacherei im 1. und 2. Weltkrieg

Auch dieses Gebäude wurde kurzfristig wieder aufgebaut. Die Bauarbeiten übernahm der Zimmermeister Ernst Virk aus Malchow. Nachdem diese Genossenschaft den 1. Weltkrieg und die Nachkriegszeit noch relativ gut überstanden hatte, wurde die Produktion während des 2. Weltkrieges stillgelegt. Die Maschinen wurden nach Ende des Krieges ohne offizielle Enteignung demontiert und als Reparationsleistung abtransportiert. Die Gebäude wurden zunächst vermietet und danach von der volkseigenen Tuchfabrik gekauft und als Spinnerei genutzt.
Nahezu bedeutungslos ist die vom langjährigen Inspektor der Maschinen-Lohnanstalt Jakob Botzong 1893 errichtete Tuchfabrik in der August-Bebel-Straße neben der Reha-Klinik. Der Betrieb ging bereits drei Jahre nach der Inbetriebnahme in Konkurs und der Eigentümer wurde zunächst polizeilich gesucht. Das Gebäude wird fälschlicherweise auch Schnitterkaserne genannt, obwohl es nie eine war. Es steht bereits seit Jahrzehnten leer. Die bedeutendste Tuchfabrik in Malchow wurde 1907/1908 von der Firma Becker & Haese in der Bergstraße errichtet und ist unter dem Namen Tuchfabrik Becker & Co. bekannt. Sie entsprach etwa der Größe und Wirtschaftskraft der Tuchfabrikanten in Sachsen und Brandenburg. Mit Färberei, Spinnerei, 45 Webstühlen und Appretur war sie eindeutig das größte Unternehmen der Tuchmacher in Malchow. Der Inhaber wurde nach dem 2. Weltkrieg enteignet und die Maschinen demontiert. Danach entstand dort eine neue Genossenschaft mit wechselndem Produktionsprogramm und wechselnder Zuordnung. Die Gebäude stehen seit 1990 leer und sind dem Verfall Preis gegeben.

Die Geschichte am Standort der ursprünglichen Maschinen-Lohnanstalt nach dem 2.Weltkrieg war zunächst geprägt durch die Enteignung des Eigentümers Gottfried Blanck. Die gesamte Fabrik einschließlich der Maschinen bildeten aber die Grundlage für die volkseigene Tuchfabrik Malchow. Der Maschinenpark entsprach zwar nicht mehr den üblichen Anforderungen, so dass der Betrieb lange Zeit als veraltet galt. In den folgenden Jahren wurden die meisten Maschinen entweder durch neue oder bessere ersetzt.

 

Entwicklung des Textilbranche nach 1950

1953 erfolgte die Zusammenlegung der Tuchfabriken in Malchow und Parchim, so dass ein leistungsfähiger Betrieb entstand. Auch das Sortiment wurde in den Folgejahren immer wieder dem Bedarf angepasst. Nach Streichgarngeweben für die Damen-und Herren-Oberbekleidung und Kammgarngeweben wurden auch feinfädige kammgarnähnliche Streichgarngewebe sowie Velours für Mantelwaren vorrangig an Konfektionsbetriebe im In- und Ausland geliefert. In dieser Zeit mussten auch zeitweilige Besonderheiten gemeistert werden, wie der Aufbau eines eigenen Ausnähstützpunktes in Neukalen und die Übernahme eines Betriebes in Burg Stargard, sowie die Kooperation mit anderen Betrieben bei Engpässen in der Spinnerei und Ausnäherei.

 

Das Teppichwerk Malchow

Der sich ändernde Bedarf führte schließlich zum Bau des Teppichwerkes in Malchow, den viele Malchower persönlich miterlebt haben. Als erstes wurde die Lehrwirkerei eingeweiht. Die offizielle Inbetriebnahme des Betriebes erfolgte im März 1981. Nach der Fertigstellung wurde das Sortiment mit Boucle-Teppichen und 5-chorigen Teppichen ergänzt und die Leistung weiter erhöht. Die Entstehung des neuen Betriebes, die Entwicklung bis 1991 und die Liquidation sind im Heft ausführlich beschreiben und durch interessantes Bildmaterial untersetzt.

Im Gegensatz zu den meisten von der Treuhandanstalt liquidierten Betrieben ist die Bauhülle nicht dem Verfall Preis gegeben worden und hat mit dem EDEKA Logistik-Zentrum einen erfolgreichen Nachfolger gefunden. Auch das ist Gegenstand des Heftes.

 

Das Heft 10 ist nur noch als Kopie im Stadtarchiv Malchow erhältlich.

Werner Henke
Mitglied des Arbeitskreises Stadtgeschichte